Panikattacke oder Herzinfarkt

Panikattacke oder Herzinfarkt? So erkennst du die Unterschiede und verstehst, was in deinem Körper passiert

Plötzlich rast dein Herz. Deine Brust fühlt sich eng an. Du bekommst schlecht Luft, dir wird schwindelig und ein Gedanke schießt dir durch den Kopf: „Ich bekomme einen Herzinfarkt!“

Dein Körper scheint vollkommen außer Kontrolle zu geraten.

Vielleicht zittern deine Hände, du bekommst Schweißausbrüche oder hast das Gefühl, jeden Moment ohnmächtig zu werden.

Und dann kommt diese überwältigende Todesangst.

Viele Menschen, die zum ersten Mal eine Panikattacke erleben, sind überzeugt, dass sie gerade einen Herzinfarkt bekommen.

Das ist verständlich, denn die Symptome können sich tatsächlich ähneln.

Doch warum kann eine Angstreaktion so intensive körperliche Beschwerden auslösen? Woran lassen sich mögliche Unterschiede erkennen? Und wie kannst du verhindern, dass die Angst vor einem Herzinfarkt irgendwann dein gesamtes Leben bestimmt?

1. Panikattacke oder Herzinfarkt – warum sich die Symptome so ähnlich anfühlen

Eine Panikattacke aktiviert das körpereigene Alarmsystem.

Dein Gehirn nimmt eine Bedrohung wahr und aktiviert unter anderem den Sympathikus – den Teil deines autonomen Nervensystems, der für körperliche Aktivierung zuständig ist.

Stresshormone wie Adrenalin werden ausgeschüttet.

Dein Herz schlägt schneller. Deine Atmung verändert sich. Deine Muskeln spannen sich an. Dein Körper bereitet sich auf eine mögliche Flucht- oder Kampfreaktion vor.

Das Problem: Diese Reaktion kann auch dann entstehen, wenn objektiv keine akute Gefahr vorhanden ist.

Bei einem Herzinfarkt liegt dagegen in der Regel eine akute Durchblutungsstörung des Herzmuskels vor, meist durch den Verschluss eines Herzkranzgefäßes.

Obwohl die Ursachen vollkommen unterschiedlich sind, können sich einige Symptome überschneiden.

Wichtig: Wenn du gerade starke, neue oder unklare Brustbeschwerden, Atemnot oder andere mögliche Herzinfarktsymptome hast, rufe sofort die 112. Versuche nicht, selbst zwischen Panikattacke und Herzinfarkt zu unterscheiden.

2. Panikattacke oder Herzinfarkt: Die Symptome im Vergleich

Symptom Panikattacke Herzinfarkt
Herzrasen Häufig Möglich
Druck oder Enge in der Brust Möglich Häufig
Atemnot Häufig Häufig
Schwindel Häufig Möglich
Schweißausbrüche Häufig Häufig
Übelkeit Möglich Möglich
Kribbeln in Händen oder Gesicht Möglich, besonders bei Hyperventilation Weniger typisch
Schmerzen mit Ausstrahlung in Arm, Rücken oder Kiefer Möglich, aber weniger typisch Typisches Warnzeichen
Todesangst Häufig Ebenfalls möglich
Plötzlicher Beginn Typisch Ebenfalls möglich

Wie du siehst, gibt es zahlreiche Überschneidungen.

Deshalb ist es nicht möglich, einen Herzinfarkt allein anhand dieser Tabelle auszuschließen.

Auch das Alter oder eine bekannte Angststörung bieten keine absolute Sicherheit.

Ein Herzinfarkt kann zudem ohne ausgeprägte Brustschmerzen auftreten, beispielsweise mit Atemnot, Übelkeit oder ungewöhnlicher Schwäche.

Zur sicheren Unterscheidung sind gegebenenfalls medizinische Untersuchungen wie ein EKG und Bluttests notwendig.

3. Warum fühlt sich eine Panikattacke an, als würdest du sterben?

Das ist eine der häufigsten Fragen, die mir Menschen mit Panikattacken stellen.

„Anastasia, ich weiß mittlerweile, dass es Panikattacken sind. Aber warum fühlt es sich jedes Mal an, als würde ich sterben?“

Die Antwort liegt in der Art, wie unser Gehirn und unser Körper auf Bedrohungen reagieren.

Wenn dein Gehirn eine Situation als gefährlich bewertet, aktiviert es verschiedene Schutzmechanismen.

Dein Herz beginnt schneller zu schlagen, damit mehr Blut durch deinen Körper transportiert werden kann.

Deine Atmung verändert sich, um den Organismus auf körperliche Aktivität vorzubereiten.

Deine Muskeln werden angespannt.

Deine Aufmerksamkeit richtet sich verstärkt auf mögliche Gefahren.

Bei einer Panikattacke kann diese Alarmreaktion auftreten, obwohl keine äußere Bedrohung vorhanden ist.

Und jetzt passiert etwas Entscheidendes:

Du bemerkst die körperlichen Veränderungen und interpretierst sie selbst als Gefahr.

Dein Herz schlägt schneller.

Du denkst: „Mit meinem Herzen stimmt etwas nicht.“

Dieser Gedanke löst noch mehr Angst aus.

Die Angst verstärkt wiederum deine körperlichen Symptome.

Und plötzlich befindest du dich in einem Kreislauf, der sich immer weiter hochschaukeln kann.

Nicht nur die körperliche Reaktion macht dir Angst.

Du bekommst Angst vor der Reaktion deines eigenen Körpers.

4. Die Angst vor dem Herzinfarkt: Wenn du deinem eigenen Körper nicht mehr vertraust

Viele Menschen entwickeln nach ihrer ersten Panikattacke eine starke Aufmerksamkeit für ihren Körper.

Sie kontrollieren ständig ihren Puls.

Sie achten auf jeden Herzschlag.

Sie beobachten ihre Atmung.

Vielleicht tragen sie eine Smartwatch und überprüfen immer wieder ihre Herzfrequenz.

Andere googeln regelmäßig Symptome und suchen nach der Bestätigung, dass sie keine schwere Erkrankung haben.

Das Problem dabei ist, dass diese permanente Selbstbeobachtung die Angst aufrechterhalten kann.

Denn unser Körper ist kein statisches System.

Unser Herz schlägt nicht immer gleich schnell.

Unsere Atmung verändert sich.

Wir erleben gelegentlich Schwindel, Muskelverspannungen oder andere Körperempfindungen.

Das ist zunächst einmal normal.

Wenn dein Gehirn jedoch gelernt hat, bestimmte Empfindungen sofort als Gefahr zu interpretieren, können selbst harmlose Veränderungen starke Angst auslösen.

So entsteht eine Art Überwachungssystem im eigenen Körper.

Du lebst nicht mehr einfach in deinem Körper. Du kontrollierst ihn ständig auf mögliche Gefahren.

Und genau das kann unglaublich anstrengend werden.

Wichtig ist allerdings die Unterscheidung: Eine sinnvolle medizinische Abklärung neuer Beschwerden ist etwas anderes als das wiederholte Kontrollieren bereits abgeklärter, unveränderter Symptome aus Angst.

5. Warum bekommst du Panikattacken, obwohl mit deinem Herzen alles in Ordnung ist?

Vielleicht warst du bereits beim Kardiologen.

Du hattest ein EKG, vielleicht ein Langzeit-EKG oder weitere Untersuchungen.

Und dein Arzt hat dir gesagt:

„Mit Ihrem Herzen ist alles in Ordnung.“

Du bist zunächst erleichtert.

Aber einige Tage später kommt die nächste Panikattacke.

Wieder Herzrasen.

Wieder Brustenge.

Wieder Todesangst.

Warum?

Weil eine unauffällige Herzuntersuchung nicht automatisch die erlernte Angstreaktion verändert.

Dein bewusster Verstand weiß jetzt vielleicht, dass bei der Untersuchung keine Herzerkrankung festgestellt wurde.

Doch dein Gehirn kann bestimmte Körperempfindungen weiterhin mit Gefahr verbinden.

Diese Verknüpfung kann sich über viele Wiederholungen festigen.

Das erklärt, warum rationale Beruhigung manchmal nur kurzfristig hilft.

Dein Verstand hat die Information verstanden. Aber dein Nervensystem hat noch nicht ausreichend gelernt, anders auf diese Empfindungen zu reagieren.

Genau hier setzt die psychotherapeutische Arbeit an.

6. Die tiefere Ursache: Warum reagiert dein Nervensystem überhaupt mit Panik?

In meiner therapeutischen Arbeit interessiert mich nicht nur die Frage, welche Symptome ein Mensch hat.

Mich interessiert vor allem:

Warum reagiert sein Nervensystem so empfindlich?

Welche Erfahrungen, Überzeugungen oder emotionalen Muster könnten dabei eine Rolle spielen?

Vielleicht kennst du schon lange das Gefühl, immer alles kontrollieren zu müssen.

Vielleicht hast du früher Situationen erlebt, in denen du dich vollkommen hilflos oder ausgeliefert gefühlt hast.

Vielleicht stehst du seit Jahren unter chronischem Stress.

Oder du hast irgendwann eine besonders beängstigende körperliche Erfahrung gemacht, die dein Gehirn mit Gefahr verknüpft hat.

Solche Faktoren können dazu beitragen, dass dein Nervensystem zunehmend empfindlich reagiert.

Dabei ist mir wichtig: Nicht jede Panikstörung hat eine einzelne verborgene Ursache.

Auch genetische Veranlagung, körperliche Faktoren, Angstsensitivität und erlernte Verhaltensmuster können eine Rolle spielen.

Häufig entsteht eine Angststörung durch das Zusammenspiel verschiedener Einflüsse.

7. Warum ich bei Panikattacken mit dem Unterbewusstsein arbeite

Viele meiner Klienten haben sich bereits intensiv mit ihren Ängsten beschäftigt.

Sie wissen, was Adrenalin ist.

Sie kennen die körperlichen Symptome einer Panikattacke.

Sie haben verstanden, dass Angst ihren Herzschlag beschleunigen kann.

Und trotzdem reagieren sie weiterhin mit Panik.

Das liegt unter anderem daran, dass viele emotionale und körperliche Reaktionen automatisch ablaufen.

Unser Gehirn verarbeitet ständig Informationen, ohne dass wir jeden einzelnen Prozess bewusst wahrnehmen.

In meiner therapeutischen Arbeit nutze ich Hypnose, um mit inneren Bildern, emotionalen Erfahrungen und automatischen Überzeugungen zu arbeiten.

Dabei geht es nicht darum, die Symptome einfach wegzudrücken.

Ich möchte verstehen, welche emotionalen Muster die Angstreaktion möglicherweise verstärken oder aufrechterhalten.

Wir arbeiten daran, belastende Verknüpfungen zu bearbeiten und neue Erfahrungen von Sicherheit und Selbstwirksamkeit zu entwickeln.

Hypnose kann dabei eine ergänzende therapeutische Methode sein. Die wissenschaftlich am besten untersuchten Behandlungen bei Panikstörungen umfassen insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie mit Exposition.

8. Neuroplastizität: Dein Gehirn kann lernen, deinem Körper wieder zu vertrauen

Eine der faszinierendsten Erkenntnisse der modernen Neurowissenschaft ist die Neuroplastizität.

Sie beschreibt die Fähigkeit unseres Gehirns, sich durch Erfahrungen und Lernen zu verändern.

Wenn dein Gehirn gelernt hat, einen schnellen Herzschlag mit Gefahr zu verbinden, kann es durch neue Erfahrungen lernen, diese Empfindung anders zu bewerten.

Ein Beispiel:

Du bemerkst, dass dein Herz schneller schlägt.

Früher wäre dein erster Gedanke gewesen:

„Oh Gott, ich bekomme einen Herzinfarkt!“

Doch durch therapeutisches Lernen kannst du zunehmend erkennen:

„Mein Herzschlag kann sich verändern. Diese Empfindung allein bedeutet nicht, dass ich in Gefahr bin.“

Wenn die Beschwerden medizinisch abgeklärt sind, können solche neuen Bewertungen und Erfahrungen dazu beitragen, den Angstkreislauf zu verändern.

Besonders wirksam ist häufig die therapeutisch begleitete Konfrontation mit gefürchteten Körperempfindungen.

Dabei lernen Betroffene schrittweise, dass beispielsweise Herzklopfen oder eine beschleunigte Atmung nicht automatisch die befürchtete Katastrophe auslösen.

Dein Gehirn hat gelernt, Angst vor bestimmten Körperempfindungen zu entwickeln. Es kann auch lernen, wieder anders mit ihnen umzugehen.

9. Was hilft langfristig gegen die Angst vor einem Herzinfarkt?

Wenn körperliche Ursachen sorgfältig abgeklärt wurden und deine Beschwerden im Zusammenhang mit Panikattacken stehen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Angstkreislauf zu verändern.

Ein wichtiger Schritt besteht darin, die körperlichen Reaktionen besser zu verstehen.

Genauso wichtig ist es, die ständige Selbstbeobachtung und übermäßige Rückversicherung schrittweise zu reduzieren.

Auch die Arbeit an belastenden Gedanken und Überzeugungen kann helfen.

Bei vielen Betroffenen ist es sinnvoll, sich im Rahmen einer geeigneten Psychotherapie schrittweise mit gefürchteten Situationen und Körperempfindungen auseinanderzusetzen.

Ergänzend können Entspannungsverfahren, Meditation, ausreichend Schlaf und ein bewusster Umgang mit Stress hilfreich sein.

In meiner eigenen therapeutischen Arbeit lege ich zusätzlich großen Wert darauf, emotionale Hintergründe und automatische Angstreaktionen zu untersuchen.

Denn mein Ziel ist nicht, dass du dein Leben lang damit beschäftigt bist, deine Herzfrequenz zu kontrollieren.

Mein Ziel ist, dass du deinem Körper wieder vertrauen und dein Leben genießen kannst.

10. Kann die Angst vor einem Herzinfarkt vollständig verschwinden?

Ja, eine ausgeprägte Angst vor körperlichen Symptomen kann durch geeignete Behandlung deutlich zurückgehen oder ganz verschwinden.

Auch Panikstörungen sind gut behandelbar.